Diese Seite drucken

2007

Musik, die mich bewegt

Ich bin nicht sonderlich musikalisch, und für wirklich anspruchsvolle Musik fehlt mir das nötige Wissen und auch die Fingerfertigkeit, um ein Musikinstrument zu beherrschen. Wohl träumte in mir der Wunsch, gute Musik zu hören oder gar selbst auszuüben. Aber das blieb ein Traum. Bis heute!

Da mich meine Eltern schon früh zu den Wandervögeln geschickt haben und ich als Zehnjährige jede Woche zu den sogenannten Nestnachmittagen ging, bin ich mit den schönen alten Volksliedern groß geworden. Bis heute sind sie mir ein Stück Heimat.

 

Wie sehe ich mich, wie nehmen mich die anderen wahr?

Ja, das ist für mich kein schwieriges Thema! Weshalb werdet ihr fragen? Nun, seht mich an. Ich war 1,82 m groß, und immer und überall war ich einen Kopf zu groß. Als Kind ist dies alles noch leicht zu ertragen, aber dann wurde ich langsam erwachsen, ein Mädchen, eine junge Frau, und immer war ich die Größte. Dann begann die Tanzstunde. Ja und, wirst du fragen? Ich erlebte mit Schaudern, dass alle meine Partner kleiner waren. Und keiner hatte Mitleid mit mir. Ich musste immer auf meine Tanzpartner herabsehen. Eines Tages war ich zu einem Hausball eingeladen - früher hieß es Hausball und nicht Party. Jeder musste seinen Platz am Tisch suchen. Es waren Tischkarten mit Fotos aufgestellt. Und wie sah meine Karte aus? Ich passte wegen meiner Größe nicht mehr auf die Karte. Der Kopf war gar nicht drauf. Und ich war am Boden zerstört.

 

Zweimal dasselbe

Es ist keine schöne Erinnerung - aber alles war liebevoll gemeint. Mutter hatte Geburtstag. Vater meinte: Ihr Kinder wisst alle, wie sehr Mutter sich über Blumen freut! Geht in den Garten und auf die Wiesen und pflückt einen schönen Geburtstagsstrauß!

Ich ging damals noch nicht zur Schule und war glücklich über diese Idee. Einen Blumenstrauß zu schenken war für mich das Schönste. Und für meinen Vater auch. Und dann ging ich in den Garten und sah das Erbeerbeet in voller Blüte. Freude überkam mich, ich pflückte alle Blüten zu einem großen Strauß. Voller Stolz überreichte ich den Erdbeerblütenstrauß meiner Mutter, und dann kam der Schreck! Vater wollte nicht glauben, dass alle Fürsorge und Arbeit für die Erdbeeren umsonst gewesen war. Ich war so enttäuscht und fing an zu weinen und nahm meine Mutter in den Arm.

So ist das oft im Leben; der eine findet seine Idee gut, und dem anderen wird die Freude an seiner Arbeit zunichte gemacht. Und das alles mit denselben Blüten.

 

Wie die Zeit vergeht

Das Wort "Zeit" ist ein großes Wort! Und das habe ich erst jetzt so ganz richtig verstanden, wo nur noch eine kurze Zeitspanne vor mir liegt.

Ich denke darüber nach: Woher habe ich die Zeit, wohin führt sie mich? Habe ich der Zeit in meinem Leben genug Aufmerksamkeit geschenkt? Habe ich je darüber nachgedacht, woher sie kommt? Je intensiver ich darüber nachsinne, desto mehr wird mir bewusst - und ich hätte es immer wissen müssen: Alle Zeit, die mir gehört, ist ein großes Geschenk! Ich kann allein darüber verfügen. Ich weiß auf einmal, dass alles vorübergeht, im Leben und mit der Zeit: Das große Glück, das Frösteln und das Fieber. Und was bleibt, ist die Zeitspanne bis zum Tode. Und eines Tages ist die Zeit vergangen.

 

Doppeldeckerbus aus London

Ich kann wohl etwas Englisch sprechen, aber viel weiß ich nicht. Ich habe neun Jahre in der Schule diese fremde Sprache gelernt. Habe ich damals je gedacht, diese Sprache echt zu benutzen? Das habe ich nicht, und zu mehr als ein paar englische Romane zu lesen, habe ich es nicht gebracht. Und nun steht ein englisches Busmodell aus London vor mir, und ich soll raten, was dieser Bus sich vorgenommen hat. Ich weiß es schon: Der Bus soll meinen deutschen Geist animieren, auch einmal in fremder Sprache meine Wünsche und Sehnsüchte auszudrücken. Vielleicht entdecke ich da Neuland? Bestimmt sogar - wie kann es anders sein. Und ich habe mal wieder richtig kombiniert.