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2005

"Ich liebe die Falten in meinem Gesicht, denn sie sind die Geschichte meines Lebens." (Brigitte Bardot)

Da muss ich erst drüber nachdenken! Soll ich die Falten in meinem Gesicht lieben? Ich bin alt, sehr alt sogar - und hätte ich ein glattes Gesicht, dann wäre mein Leben vielleicht langweilig gewesen, und ich hätte nichts bewegt. So war es aber nicht. Oder hätte ich lieber dem Jugendwahn verfallen sollen? Hätte mir vielleicht eine Medizin gegen das Altern gut getan? Mitnichten! Ich bin wie ich bin, eine alte Frau mit Falten. Und alle sind mir lieb und wert. Ich weiß, wie ich sie erworben habe. Es gab gute und schlechte Zeiten. Und alle Zeiten hinterließen ihre Spuren. Manchmal tief, manchmal etwas flacher. Und doch sind sie Schritte in meinem Leben. Schritte, von denen ich weiß, dass keiner vergeblich gemacht wurde. Und B.B. sagt dazu: Das ist die Geschichte meines Lebens. Darum liebe ich alle meine Falten so, wie sie mir geschenkt sind.

 

Über Kitsch

Ich will über Kitsch schreiben und muss erst einmal meine Erfahrungen und mein Wissen darüber ordnen. Ist nicht sehr einfach, aber vorweg die Feststellung: Ich liebe Kitsch! Und weshalb?

Meine Schwiegermutter hatte in ihrem Haus eine Nippesfigur stehen. Und zwar stellte diese Figur den Reichskanzler Otto von Bismarck dar. Natürlich aus Eisen und Draht gemacht. Er war ja der eiserne Kanzler und der Schmied des deutschen Reiches. Als Schmied hatte er einen großen Amboss vor sich, einen Hammer in der Hand und eine große grüne Schürze um den Bauch. Und dann ging das Hämmern los. Zum Glücksprühten keine Funken, aber die Dramatik war da, und das Ganze war soüberflüssig und doch irgendwie zeitgemäß. Meine Schwiegermutter, Jahrgang 1870, liebte diesen Nippes, und ich wusste, man kann auch Kitsch lieben. Braucht man ja nicht, und wenn ich in meinem Alter über Kitschnachdenke, stelle ich fest: Alles im Leben ist eine Einstellung oder Ansicht. Und wenn ich den Kitsch liebe, dann ist es kein Kitsch, und meine ganz eigene Liebe dazu macht alles gut. Und wenn meine Schwiegermutter den Kanzler verehrte, so tat sie es mit einer Eleganz, die einmalig war.

Kitsch ist ein relativer Begriff und kann das Leben reich machen. Zum mindesten wird es nie langweilig.

 

Übers Putzen

Ausgerechnet ich! Ich soll über das Putzen schreiben! Was ist das eigentlich? Wenn ich nachdenke: Die gerade gegebene Umwelt so zu gestalten, dass man sich einigermaßen wohl fühlt. Sauberkeit, da gibt es natürlich 100 Nuancen. Um es grob zu sagen: Einmal besenrein oder ein andermal gewienert. Oder mit dem Schrubber drüber wischen oder ein nasses Seifentuch nehmen, oder was schreibe ich da eigentlich?

Es ist alles erlaubt, und alle Sauberkeiten haben ihre Berechtigung. Die Hauptsache ist: Du überarbeitest dich nicht und bist von deiner Tüchtigkeit überzeugt! Tüchtigkeit bezieht sich nicht nur auf die Hygiene und Ordnung. Es muss auch einen inneren Zusammenhang haben, wenn ich so richtig an meinen seelischen Zustand denke, dann muss ich froh und dankbar sein, dass ich putzen kann - noch kann - und dass das, was ich mache, richtig ist und dass ich keinem Menschen Rechenschaft schuldig bin. Jedenfalls beim Putzen. Und wenn eine Ecke mal vergessen wurde? Dann ist sie beim nächsten Großreinemachen dran.

 

Gedanken, Eitelkeit, tra ra, tra ra, Unternehmen, Tatendrang
(gewählte Wörter aus einem Namensaktrostichon)

Tra ra, tra ra! Ich habe einen Gedanken! Soll ich erzählen, was ich mir zurecht gedacht habe? Es soll kein wirres Gefasel werden, sondern ein sachliches, kritisches, vielleicht auch humoriges Unternehmen. Was heißt hier schon Unternehmen? Nein, das Wort dünkt mich zu spezifisch. Es muss durchzogen sein von Tatendrang - und vielleicht auch so ein bisschen Eitelkeit enthalten. Ja, meine 5 Wörter habe ich nun alle brav niedergeschrieben. Aber wo bleibt meine humorige Geschichte? Ich suche immer nach einer witzigen Idee. Und dann denke ich, es ist zu viel verlangt von einem Menschen, der sehr alt ist. Aber ich habe es ja so gewollt. Und nun merke ich, dass ich mir zu viel zugemutet habe, ich habe so viel Komisches erlebt. Und nun fällt mir nichts ein. Wo bleibt mein Tatendrang? Wo meine Unternehmungslust? Wo meine witzigen Einfälle? Ich kann nur sagen: Ich habe keine mehr, und alles ist aus meinem Kopf entschwunden. Zumindest ist mein Tatendrang geschwunden. Ich muss mich ausruhen, meine Gedanken laufen lassen, und wenn das Unternehmen vorbei ist, bin ich wieder voll da und die alte Gertrud Thun.

 

Automatisches Schreiben

Was traut man mir nur zu? Schreiben soll ich, ohne nachzudenken. Auch das will geübt sein! Ach, was schreibe ich da? Geübt ist gar kein Ausdruck! Und dann soll ich immer weiter denken - ohne zu überlegen? Weshalb eigentlich nicht? Immer nachzudenken und zu überlegen, ist manchmal gar nicht angebracht. Meine Devise heißt: Spontaneität! Ha, habe ich gut gesagt, oder nicht? Jetzt denkst du ja schon wieder nach (so im Stillen darf ich das doch sagen?). Alles ohne Absicht schreiben - auch wenn alles Korks ist! Basta!