2003
|
Im eigenen Bett
Im eigenen BettIch überlege: Kann man sein Bett lieben? Ja, man kann. Wenigstens ich kann es. Und nun muss ich nachdenken, weshalb eigentlich? Weil es so schön getischlert ist und das Holz so kostbar? Etwa aus Mahagoni? Nein, das alles spielt keine Rolle! Ich liebe es, weil es mir ganz allein gehört, und ich jeden Abend dankbar bin, dass ich es habe und ich mich müde hineinlegen darf.Die Matratze hat keine Kuhle, ich kann die Füsse hochlegen, und wenn ich lese, kann ich den Kopf in die richtige Lage bringen. Ein so schöes Bett habe ich früher nicht gehabt, und ich weiß, dass es keine Selbstverständlichkeit ist.
Und nun, wo ich alt bin und mich jeden Abend auf meine Ruhestätte freue, soll ich auf eine Reise gehen, auf eine schöne Insel, in ein Hotel mit Blick auf das Meer und die Dünen und auf die Schiffe, die vorbeifahren. Und ihr mögt es glauben oder nicht, das Bett gefällt mir nicht. Es fehlt alles, die Vertrautheit, die Selbstverständlichkeit und, was das Wichtigste ist, die richtige Länge. Ich lehne es ab, mit angewinkelten Beinen zu schlafen.
Und da sage ich mir: "Nord, Ost, Süd, West, tu Huus am Best!" |
|
Granat aus Wremen
Um diese Geschichte zu erzählen, muss ich beschreiben, wo ich früher wohnte. In der Wurster Str. in Bremerhaven-Lehe. Sie führte direkt an den Deich und auf dem Deich in das Land Wursten.
Und in Imsum und Wremen wohnten damals die Krabbenfischer. Und wenn die Zeit gekommen war, fingen sie diese so sehr beleibten Tiere, die wir Granat nannten. Dann wurden diese in gekochtem Zustand auf den Pferdewagen geladen, und los ging es in die Stadt. Laut wurde gerufen: "Granat, Granat!" Mit einem hölzeren Litermaß mit Henkel wurde aus dem großen Topf Granat geschöpft, und das Ganze kostete 20 Pfennig. Meine Mutter kaufte immer 2 Liter, und dann mussten wir alle pulen - etwas, was ich heute noch kann. Und Granat schmeckt mir heute noch so gut wie als Kind. Und nun kommt die Hauptsache: Für mich war Granat damals etwas Minderes, weil es ja so billig war. Und wenn er noch so gut schmeckte! Für mich war es immer so peinlich! Wenn Besuch kam, gab es immer Krabben. Und zwar mit Majonaise - nicht aus Öl und Ei, sondern schlicht Mehlschwitze mit Margarine. Ich wusste damals gar nicht, was eine richtige Majonaise war. Ich schämte mich ob meiner billigen Granat. Und viel später habe ich erst erfahren, dass das für unsere Besucher, die nicht am Wasser wohnten, eine Delikatesse war. Und das Lob, dass sie spendeten, war wirklich echt. |
| Mein erster Film, der nicht stattfand Mein erster Film war für mich gar kein Film. Klingt albern, aber wenn ich alles erklärt habe, wird man Verständnis für meinen Kummer haben. Ich bin jetzt 90 Jahre. Der Film lief im Tivoli in Bremerhaven, vielleicht war ich so 12 Jahre alt. Alle meine Freundinnen waren begeistert, so einen Film gesehen zu haben. Und dann kam die Enttäuschung: Mein Vater sagte: "Meine liebe Trude, für so einen Film bist du noch lange nicht groß genug. Du musst erstmal vernünftig werden und deine Kinderschuhe ausziehen!" Nun ja, ich hatte einen strengen Vater, der seine Tochter ehrenwert und liebevoll erziehen wollte. Und damals war es ja noch ein Stummfilm, und die Gladiatoren kämpften in Rom gegeneinander mit Pferd und Schwertern und Streitwagen. Ich weiß gar nicht mal, ob eine Liebesgeschichte dabei war. Gab es damals ja auch, wenn auch in anderen Dimensionen als heute. Manchmal denke ich heute noch daran, was man damals anstellte, um einen ordentlichen Menschen aus mir zu machen. Muss ich nun darüber nachdenken, ob mein Vater den richtigen Weg wählte? Er ist nun schon so lange tot. Ich weiß nur, daa er es gut mit mir meinte. Und heute, in meinem Alter, meine ich, dass alles gut war und aus mir ein ordentlicher Mensch geworden ist. Und zwar nicht nur durch das Kinoverbot. |